Zur Pflanzenwelt des Kyffhäusergebirges

(Dr. Jürgen Pusch, 11.04.2000)
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Das Kyffhäusergebirge ist vor allem im Nord- und Zentralteil durch geschlossene Waldbereiche geprägt in denen die Rotbuche zumeist vorherrscht. Der West- und vor allem der Südrand des kleinen Gebirges wird hingegen durch offene, meist baumfreie mit einzelnen wärmeliebenden Gebüschen durchsetzte Magerrasen (Steppenheiden, die sich in Wiesensteppen und Felsheiden untergliedern lassen) beherrscht. Besonders prägend sind die durch unterirdische Entwässerung charakterisierten steppenähnlichen Hügellandschaften (Karstgebiete) in denen der weiße Gips-Untergrund großflächig offen zu Tage tritt. Die offene fast baumfreie Landschaft, die für mitteleuropäische Verhältnisse sehr geringen Niederschlagsmengen (im langjährigen Durchschnitt jährlich zwischen 500 und 550 mm Niederschlag) und der offen anstehende stark wasserdurchlässige und nährstoffarme Gips-Verwitterungsboden stellen Extrembedingungen für die hier lebenden Pflanzen (und Tiere) dar. Nur an diese Verhältnisse bestens angepaßte Lebewesen können unter diesen "rauhen" Bedingungen überleben. So wird die Flora der Südlagen des Kyffhäusergebirges durch Pflanzen südlicher (aus dem Mittelmeergebiet) und vor allem südosteuropäischer (aus den Steppengebieten Südosteuropas) Herkunft geprägt. Diese für hiesige Verhältnisse "exotisch" anmutenden Arten sind größtenteils bereits nach der letzten Kaltzeit (Eiszeit) vor über 10.000 Jahren unter klimatisch günstigeren Bedingungen in unser Gebiet eingewandert und konnten sich hier im Laufe der Jahrtausende im Zusammenspiel mit der menschlichen Nutzung der Südlagen (Waldrodung, Waldweide, Weinbau, Brennholznutzung, Weidewirtschaft, ...) flächig etablieren und stabile Lebensgemeinschaften bilden. Einige dieser Pflanzenarten finden im Kyffhäusergebiet ihre absolute nördliche bzw. nordwestliche Verbreitungsgrenze.
Besonders charakteristische Vertreter der südosteuropäischen Steppengebiete sind die im Kyffhäusergebirge (in den sogenannten Steppenheiden) weit verbreiteten Federgräser (Stipa capillata, S. joannis, S. pulcherrima und S. tirsa). Zu ihnen gesellen u.a. das Frühlings- Adonisröschen (Adonis vernalis), die Kuhschellen (Pulsatilla vulgaris und P. pratensis), die Violette Schwarzwurzel (Scorzonera purpurea), die Zwerg-Steppenkresse (Hornungia petraea), die Zottige Fahnenwicke (Oxytropis pilosa) und der Stengellose Tragant (Astragalus exscapus).
Aus dem nördlichen Mittelmeerraum entstammen außerdem zahlreiche andere wärmeliebende Arten, so verschiedene Orchideen, wie z.B. das Brand- und das Purpur-Knabenkraut (Orchis ustulata und O. purpurea), der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) oder die Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera). Auch die ebenfalls südlich verbreiteten Arten, wie Heideröschen (Fumana procumbens), Bergsteinkraut (Alyssum montanum), Diptam (Dictamnus albus), Blaugras (Sesleria varia) und verschiedene Sommerwurzarten (u.a. Orobanche alba, O. arenaria, O. elatior, O. lutea und O. artemisiae-campestris, siehe PUSCH 1996) geben dem kleinen Gebirge sein besonderes und einmaliges Gepräge.
Im Randbereich des Kyffhäusergebirges, so zwischen Auleben und der Numburg, bei Artern, Kachstedt, Bad Frankenhausen und im Esperstedter Ried treten salzhaltige Quellen zu Tage und reichern den Boden mit zum Teil hohen Chloridkonzentrationen an. Hier finden wir an diese Extrembedingungen angepaßte Pflanzen (sogenannte Salzpflanzen oder Halophyten), wie z.B. den Queller (Salicornia ramossisima), die Strand-Sode (Suaeda maritima), die Salz-Melde (Halimione pedunculata), die Gerstenährige Segge (Carex hordeistichos), das Strand-Milchkraut (Glaux maritima), den Strand- und den Felsen-Beifuß (Artemisia maritima und A. rupestris) und die Kleinblütige Schwarzwurzel (Scorzonera parviflora) um nur einige zu nennen. Damit zählen diese Bereiche zu den bedeutendsten Binnensalzstellen Mitteleuropas, denn man findet hier u.a. auch Arten, die an den Küsten von Nord- und Ostsee völlig fehlen.
Einen aktuellen und umfassenden Überblick über die gesamte Pflanzenwelt des Kyffhäusergebirges gibt die im Jahre 1999 erschienene "Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung" von K.-J. BARTHEL und J. PUSCH (ISBN 3-934146-00-7). Die Binnensalzstellen Thüringens (mit dem Schwerpunkt Kyffhäusergebiet) wurden 1997 umfassend im Heft 12 des "Naturschutzreport" (ISBN 0863-2448) bearbeitet.
zitierte Literatur:
BARTHEL, K.-J. u. J. PUSCH (1999):
Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung.
Bad Frankenhausen, 465 S. (inkl. Faltkarte 1 : 40.000)
PUSCH, J. K.-J. BARTHEL u. W. WESTHUS (1997):
Naturnahe Binnensalzstellen in Thüringen. - Natur-
PUSCH, J. (1996):
Die Sommerwurzarten des ehemaligen Kreises Artern,
86 S. Schutzreport 12: 9-62
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